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Das Hochglanzprospekt von V. & E. Immobilien GmbH liegt noch auf dem Tisch, die Rechnung vom Immobilienmakler daneben. Der Notar möchte nun auch seine Gebühren. Die Rechnung des Dolmetschers, der die notarielle Urkunde beim Notartermin übersetzt hat, ist schon bezahlt. Jetzt fehlte eigentlich nur noch die Zustimmung der Mehrheit der übrigen 4 Wohnungseigentümer (§ 23 WEG). Diese machen die Zustimmung von einem Einverständnis für eine Umlage von 50.000,00 €, die für neue Fenster, Erneuerung der Terrasse und die Neuisolation des Hauses benötigt wird, abhängig. David versteht die Welt nicht mehr. Ist die Wohnung gar nicht in einem solch guten Zustand, wie er gedacht hat? Den Eigentümer hatten sie nicht persönlich gesprochen. Sie haben sich auf die Angaben im Prospekt des Maklers verlassen. „Sehr gute Lage, Baujahr 1987, solide Bauweise, hochwertige Ausstattung ….“. Bei der Besichtigung mit dem Makler ist ihm und seiner Frau auch nichts aufgefallen.

Geregelter oder ungeregelter Brexit, die Immobilienpreise in London sind schon gefallen. Besser dachten sie, wäre ihr Geld in einer Wohnung in Deutschland angelegt. Aber jetzt? Am liebsten würden sie den Kaufvertrag rückgängig machen. Sie haben schon einen Rechtsanwalt konsultiert. Aber dieser konnte Ihnen nicht auf Anhieb bestätigen, dass man sie beide hinter das Licht geführt hat. Der Notar hat bei der Beurkundung des notariellen Kaufvertrages pflichtgemäß einen Dolmetscher für die englische Sprache hinzugezogen. Sie hätten die Urkunde auch vor der Beurkundung schriftlich übersetzen lassen können (§ 16 Abs. 2  BeurkG). Aber hierauf hatten sie verzichtet. Ist Verkäufer einer Immobilie in Deutschland ein gewerblicher Anbieter, dann muss dem privaten Käufer 14 Tage vor dem Termin der notariellen Beurkundung der Kaufvertragsentwurf vorliegen (§ 17 Abs. 2a Nr. 2 BeurkG). Bei einem Immobilienkauf unter Privatleuten muss diese Frist nicht eingehalten werden. Dies ist ein Grund mehr, als Brite vor dem Abschluss eines notariellen Kaufvertrages zum Erwerb einer Immobilie in Deutschland einen deutschen Rechtsanwalt mit der Prüfung des Kaufvertrages zu beauftragen. Nur dieser kann den Käufer wirklich beraten. Diese Empfehlung spricht auch die Regierung des Vereinigten Königreiches zum Immobilienkauf im Ausland (Guidance für Buying Property Abroad) aus (Europäisches Parlament, Grenzüberschreitender Erwerb von Wohnimmobilien in der EU: Probleme der Bürger und Bürgerinnen, http://www.europarl.europa.eu/thinktank/de/search.html?keywords=003378

Abgesehen vom Kaufpreis müssen Sie als EU-Bürger translation costs, real estate agent`s fees, notary fees and last but not least lawyers` fees einkalkulieren, wenn der Immobilienkauf nicht ein  Totalverlustrisiko werden soll.